 | Aktuelles
12.-16.Mai 2010: Ökumenischer Kirchentag in München wir sind dabei: Agora, Halle B5 / Stand E20
Freitag, 14. Mai 11 - 12 Uhr: Podiumsdiskussion „Menschenwürde und Behinderung“ Inklusion als Königsweg !?
Ort: Agora-Bühne in Halle B5
Hier zur Einstimmung ein Referat zur Behindertenpolitischen Tagung am 25. April 2009 in Berlin: mehr (Eine Dokumentation der Tagung ist auf der Homepage der BAG Behindertenpolitik zu finden.)
Ein Beitrag zu den zentralen Fragen auf über die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit.
Die „Autonomie“ darf nicht zum Wesenskern der Menschenwürde gemacht werden, da sonst dort, wo Autonomie wegen psychischer oder physischer Beeinträchtigungen nicht mehr herstellbar ist, auch die Menschenwürde auf der Strecke bleibt. Es darf nicht dazu kommen, dass der Wert des Menschen nach seiner Leistungsfähigkeit beurteilt wird, mit der Konsequenz, dass die Politik damit auch eine entsprechende Verteilung der Ressourcen vornehmen müsste. Dies kann dazu führen, Menschen mit frühzeitig erkannten genetischen Auffälligkeiten das Menschsein und damit die Menschenwürde abzuerkennen. Wer diesen Gedanken heute als absurd darstellt, sollte bedenken, dass genau diese einem Grundprinzip der Aufklärung entsprach, die den vernunftbegabten, autonomen Menschen wollte, und daher abweichendes Verhalten oder auch abweichende körperliche oder geistliche Dispositionen aus der gesellschaftlichen Wirklichkeit verbannen musste
Nachlese:
Jubiläumstagung der BAG ChristInnen am 13./14. März 2009
Vor fast genau 25 Jahren, am Rande einer Bundeshauptausschuss-Sitzung in Bielefeld, am 15. 04. 84, wurde unsere BAG unter maßgeblicher Beteiligung von Hermann Benz offiziell gegründet. Dies war Anlass für uns, unsere Tagung etwas anders zu gestalten als gewohnt. Wir haben bereits am Freitag Nachmittag, 13. 03.2009, mit einer Jubiläumsveranstaltung im Kaisersaal des Klosters St. Ludgerus in Helmstett begonnen, und die BAG-Frühjahrstagung auf den Samstag konzentriert. Als Gründungsmitglied konnte lediglich Dr. Gisela v. Canal/Ulm anwesend sein, ehemals Vorstandssprecherin der Baden-Württemberger Grünen und noch heute in unserer BAG aktiv. Sie berichtete uns eindrucksvoll über die Hintergründe und Zusammenhänge der Gründung unserer Gruppe – übrigens eine der ältesten Bundesarbeitsgemeinschaften der Partei. Die eigentliche Jubiläumsfeier fand im spätbarocken Kaisersaal der ehemaligen Benediktinerabtei St. Ludgeri statt. Musikalisch umrahmt vom "Duo Zweiklang" und nach einer Begrüßungsrede unserer Sprecherin Sybille Mattfeldt-Kloth, wurde die Bedeutung unserer BAG in – teilweise sehr ausführlichen – Grußworten unserer Europaabgeordneten Gisela Kallenbach (die selbst die BAG über lange Zeit hinweg begleitet hat), des Braunschweiger Landesbischofs Friedrich Weber und unserer Bundesvorsitzenden Claudia Roth hervorgehoben. Insbesondere ihre Rede, die sich mit der Arbeit und dem Selbstverständnis der BAG beschäftigte, fand große Resonanz im Publikum. Es war dies die eigentliche Festrede des Abends, da der Redebeitrag von Firouz Vladi – dem Vorsitzenden des Landesverbands muslimischer Gemeinden in Niedersachsen - zum Interreligiösen Dialog eher problemorientiert war und auch nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß. Ein reichhaltiger Imbiss und ein Glas Wein im Gewölbekeller des Klosters schlossen die Jubiläumsfeier ab.
In der auf den folgenden Samstag, 14. März, beschränkten Frühjahrstagung – ebenfalls in St. Ludgeri veranstaltet – standen neben der Vorbereitung von Anträgen zum kurz vorher veröffentlichten Entwurf des Bundestagswahlprogramms – zwei wichtige Schwerpunktthemen auf dem Programm. Es ging einerseits um das von Uwe Gerber überarbeitete und im Kern bereits Thesenpapier ("Orientierungspapier") zum Thema "Welchen Religionsunterricht (RU) und entsprechenden islamischen Religionsunterricht (IRU) möchten wir?", das wir bereits auf unserer letztjährigen Herbsttagung in Katlenburg andiskutiert hatten. Zusätzliche politische Brisanz erhielt unsere Diskussion durch die "Pro Reli"-Initiative in Berlin, "Berlins Kulturkampf", wie er in der taz von Jörg Sundermeier bezeichnet wurde (taz, 10. 01. 09). Auch wenn der Religionsunterricht zu den Kulturangelegenheiten der Länder zählt (und damit in den jeweils zuständigen Landesarbeitsgemeinschaften diskutiert werden sollte), erschien es uns im Rahmen der Auswirkungen des Art. 7. Abs. 3 Grundgesetz notwendig, eine übergreifende Diskussion anzustoßen, vor allem im Hinblick auf die Frage danach, inwieweit der rein konfessionelle und bekenntnisorientierte RU überhaupt noch zeitgemäß ist. Dass wir für einen ökumenischen RU eintreten, wurde inzwischen auch von der Presse wahrgenommen. In einer Pressemeldung der epd vom 22. März 2009 hieß es: GRÜNE für ökumenischen Religionsunterricht. Die GRÜNEN wollen einen gemeinsamen Religionsunterricht von Protestanten und Katholiken. Die Aufteilung in evangelische und katholische Christen in der Schule sei nicht mehr zeitgemäß, sagte die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Christen bei den Grünen, Sybille Mattfeldt-Kloth. Sie sprach sich auf für islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen aus. Das redaktionell und im Layout noch zu überarbeitende "Orientierungspapier" soll nach Fertigstellung zunächst über unsere Website und, sobald die dafür erforderlichen Mittel bereit stehen, in Form einer Broschüre in unserer Publikationsreihe veröffentlicht werden. Politisch hatten wir ja schon durch einen Antrag zur BDK in Erfurt zur Einführung eines "RU für alle" ein Zeichen gesetzt, mit dem unsere Bundestagsfraktion weiter beschäftigt sein wird.
Der zweite Schwerpunkt der Tagung war dem Thema "Auf dem Weg in eine Gesellschaft des Weniger" ("Bescheidenheitsdebatte") gewidmet. Nach einem Einleitungsreferat von Gisela Kallenbach entwickelte sich eine intensive Debatte darüber, ob die weitere Ankurbelung des Wirtschaftswachstums (z.B. durch die verfehlte "Abwrackprämie") überhaupt Sinn macht, und ob man nicht eher durch eine Einschränkung von Verbrauch und ein Zurückschrauben der Bedürfnisse auf ein vernünftiges Maß zu einer zukunftsfähigeren und gerechteren Ordnung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens kommen kann. Dies um so mehr, als das eigentlich urgrüne Thema der "Verzichtsethik" innerhalb der Partei vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise etwas in Vergessenheit zu geraten droht. Ulrike Winkelmann hatte deshalb in ihrem Kommentar zur Situation der GRÜNEN (taz, 22. 01. 09) mit Recht bemerkt, dass "die Wirtschaftskrise immerhin die grüne Chance bietet, Konsum überhaupt wieder einmal infrage zu stellen". Noch deutlicher wurde der zur Zeit wichtigste deutsche Philosoph, Peter Sloterdijk, der in einem Interview kurz darauf erklärte (FASZ, 22. 03. 09): "Dass zum Beispiel der Staat auf dem Gipfel seiner Hilflosigkeit darüber nachdenkt, seinen Bürgern Geld zu schenken, damit sie einkaufen gehen können, [ist unglaublich]; wir müssen offensichtlich dazu ermuntert werden, das einmal erreichte Verschwendungsniveau um jeden Preis zu halten". Die Diskussion mündete schließlich in einem Antrag, der auf der BDK zur Übernahme in das Bundestagswahlprogramm gestellt werden soll.
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